Kapp-Putsch


Kapp-Putsch
I
Kapp-Putsch
 
Militante Rechtskreise, unterstützt durch Freikorpsführer und höhere Truppenkommandeure, hatten sich im Sommer 1919 zu einer »Nationalen Vereinigung« zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen und wieder die Monarchie zu errichten. Als von der Regierung die Auflösung zahlreicher noch bestehender militärischer Einheiten und Freikorps angeordnet wurde, um die Weisung der Interalliierten Militärkommission zu befolgen, fürchteten viele Offiziere und Soldaten um ihre Existenz und widersetzten sich dem Befehl der Regierung. Am 13. März 1920 besetzten Truppeneinheiten unter Führung des Generals von Lüttwitz das Berliner Regierungsviertel. Reichspräsident und Reichsregierung, die einige Tage vorher eine ultimative Rücktrittsforderung der Verschwörer abgewiesen hatten, waren nach Dresden ausgewichen. Der Kopf der Verschwörer, der ehemalige ostpreußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp, übernahm die gesamte Gewalt als Reichskanzler. Er erklärte die bisherige Regierung für abgesetzt und die Nationalversammlung für aufgelöst. Von Dresden aus forderte die Reichsregierung das deutsche Volk zum Widerstand und zum Ungehorsam gegen die Aufrührer auf. Die Gewerkschaften riefen den Generalstreik aus, der in ganz Deutschland von den Arbeitern und Angestellten befolgt wurde. Auch die höheren Beamten der Reichsbehörden verweigerten den Aufständischen den Gehorsam. Nach vier Tagen sahen die Putschisten ein, dass sie verloren hatten. Kapp flüchtete ins Ausland, die Truppen zogen sich in ihre Kasernen zurück.
II
Kạpp-Putsch,
 
Kạpp-Lụ̈ttwitz-Putsch, Umsturzversuch (13.-17. 3. 1920) rechtsradikaler Politiker um W. Kapp und unzufriedener Teile der deutschen Armee um General W. Freiherr von Lüttwitz. Am 13. 3. 1920 früh besetzten die von Döberitz einmarschierte Marinebrigade unter H. Ehrhardt und andere Formationen, deren Auflösung die Reichsregierung verfügt hatte, das Berliner Regierungsviertel und riefen W. Kapp zum Reichskanzler aus. Die Loyalität der Ministerialbürokratie gegenüber der Regierung von G. Bauer (nach Dresden, dann nach Stuttgart geflohen), der Generalstreik der Gewerkschaften und andere Abwehrreaktionen der Arbeiter, mangelnde Hilfe seitens der Reichswehr und unterschiedliche Motivationen der Putschisten sowie die Art der Durchführung ließen den Umsturzversuch scheitern.
 
 
J. Erger: Der Kapp-Lüttwitz-Putsch (1967).

Universal-Lexikon. 2012.

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